Mein Gott, Dein Gott – Kein Gott?


In einer Welt voller Gegensätze und Vielfalt steht die Frage nach dem Glauben oft im Mittelpunkt großer gesellschaftlicher Diskussionen: Welche Rolle spielt Religion heute? Hilft sie uns, als Menschen zusammenzufinden, oder trennt sie uns? Unter dem Titel „Mein Gott, Dein Gott – Kein Gott?“ versammelten sich Experten aus Geschichte, Philosophie, Psychologie und interreligiösem Dialog, um diese Fragen zu erörtern.

Religion – Brücke oder Grenze?

Die Historikerin Angelika Hilsebein brachte es auf den Punkt: „Wir sprechen nicht mit Religionen, sondern mit Menschen.“ Religion könnte eine bereichernde Quelle von Sinn und Moral sein, wenn sie als Einladung zum Dialog und nicht als identitätsstiftende Abgrenzung verstanden werde.

Ein wiederkehrendes Thema der Diskussion war, dass die eigentliche Trennung nicht durch Religion, sondern durch deren Missbrauch für politische oder ideologische Zwecke entsteht. „Wenn Religion als Identitätsmarker missbraucht wird, führt das oft zu Schwarz-Weiß-Denken und Konflikten“, so Hilsebein.

Hoffnung und Angst – Zwei Seiten derselben Medaille

Dr. Andreas Krafft, Psychologe und Hoffnungsexperte, betonte den Zusammenhang zwischen Spiritualität und Hoffnung. Menschen mit einem tiefen Glauben sind, laut Kraft, oft besser in der Lage, schwierige Lebenssituationen zu meistern. Dabei zeigte er, dass Hoffnung nicht nur ein persönlicher Wegweiser ist, sondern auch gesellschaftliche Wirkung entfalten kann: „Hoffnung eröffnet neue Horizonte und hilft, Ängste zu überwinden.“

Gleichzeitig warnte Herr Krafft vor einer pessimistischen Haltung, die derzeit in vielen Teilen der Welt verbreitet ist. Sie führt, so seine Analyse, zu Isolation und Abgrenzung – genau das Gegenteil von dem, was wir in einer globalisierten Welt benötigen.

Dialog als Schlüssel zum Frieden

Imam Adil Khalid unterstrich, dass Dialog die Grundlage für Frieden sei: „Wenn wir miteinander sprechen, bauen wir Ängste ab.“ Religion muss daher wieder verstärkt als Plattform für Begegnung genutzt werden. Der interreligiöse Dialog könnte helfen, Vorurteile zu überwinden und Gemeinsamkeiten zu entdecken.

Frau Mehrnaz Koch-Kondazi ergänzte, wie wichtige Rituale und kulturelle Bräuche für das gegenseitige Verständnis seien: „Wenn Menschen gemeinsam feiern, entsteht eine Basis für Dialog und Verbundenheit.“

Soziale Medien: Hindernis oder Chance?

Ein weiteres Thema war der Einfluss sozialer Medien. Hier warnt das Podium eindringlich vor deren polarisierender Wirkung. Frau Hilsebein betonte: „Soziale Medien isolieren und polarisieren, anstatt zu verbinden.“ Imam Adil Khalid schlägt vor, bewusst Räume zu schaffen, in denen Menschen offline zusammenkommen und soziale Kompetenzen entwickeln können.

Ein Fazit für den Alltag

Die Diskussion machte deutlich: Der Schlüssel zu einer friedlichen Welt liegt in der Begegnung und im Dialog. Egal ob gemeinsame Projekte, interreligiöse Rituale oder den offenen Austausch – die Menschheit muss sich wieder stärker auf das verbindende Wesen konzentrieren.

Oder, wie es ein Zitat aus der Diskussion zusammenfasst:
„Frieden kann nur entstehen, wenn wir lernen, die Vielfalt der Schöpfung zu lieben – im Namen des Schöpfers.“

Welche Rolle spielt Religion in Ihrem Leben? Ist sie für Sie eine Quelle der Hoffnung oder Anlass zur Reflexion? Teilen Sie Ihre Gedanken – denn der Dialog beginnt genau hier.

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